Gesindel

Seit genau einem Monat lese ich am Wochenende -bzw. diese Woche aus religiösen Gründen am Donnerstag- keine Zeitung mehr. Nicht dass das eine willkürliche Entscheidung wäre, weil ich mir mein Wochenende nicht durch schlechte Nachrichten verderben lassen möchte. Nein, einer meiner Nachbarn hat meinen Briefkasten als zuverlässige und zudem kostenlose Quelle für das feiertägliche Zeitungslesevergnügen entdeckt.

Letzte Woche habe ich mir überlegt eine Art appellativen Drohbrief an meinem Briefkasten anzubringen, mich aber dann doch dagegen entschieden. Denn wer liest das schon. Nur die Nachbarn die sich nichts vorzuwerfen haben, weil sie meine Zeitung nicht geklaut haben, und sich sicherlich köstlich über diesen Ausdruck meiner Hilflosigkeit amüsieren würden. Der Dieb nicht, der ist ja in Eile und will nicht erwischt werden.

Vielleicht sollte ich mich in der Tradition des „bewegten Mannes“ auf die Lauer legen und den Langfinger mit vorher zurechtgelegten Drohungen dazu bewegen, in Zukunft die Finger nicht mehr nach meiner Zeitung auszustecken. Funktioniert wohl auch nicht, denn Deckung gibt es keine in unserem Teppenhaus, und früh aufstehen müsste ich dann ja auch.

Also werde ich einfach tun was jeder normale Mensch in solch einer Situation tut: Nichts sinnvolles. Ich rufe am Montag beim Zeitungsverlag an, und schildere mein Problem. Wenn der Zeitungsmann die Wochenendausgabe vor meine Tür legt ist vielleicht die Hemmschwelle zu groß?

Wir werden sehen. Bis dahin ärgere ich mich einfach jeden Samstag ein bißchen mehr und verharre in Untätigkeit.

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